Ökostrom: Anlagen bleiben weiter ein sicherer Finanzhafen für Betreiber

Der weitere Ausbau der Windkraft in unserer Region ist aus Gründen der mangelnden wirtschaftlichen Rentabilität umstritten.

Auch mit dem neuen Ökostromgesetz, das in wenigen Wochen endgültig Gesetzeskraft erlangen wird, bleiben die entsprechenden Anlagen für die Betreiber ein weitgehend sicherer Finanzhafen: Das Gesetz garantiert jahrelang sichere Einspeisetarife bzw. Erträge.

Das System funktioniert so, dass den Anlagenbetreibern ihre Investitions- und Finanzierungskosten ersetzt werden und sie zusätzlich einen Gewinn von mindestens sechs Prozent erhalten. Dieses Finanzierungsmodell geht im Normalfall über 13 Jahre, bei rohstoffabhängigen Anlagen über 15 Jahre. Finanziert werden diese Beträge über die Ökostromzuschläge der Strombezieher, die mit dem neuen Ökostromgesetz deutlich angehoben werden.

Obwohl uns vom Wirtschaftsministerium nachweislich entsprechende, verbindliche schriftliche Informationen zur Verfügung gestellt wurden, ist die von uns in der letzten Ausgabe berichtete Reduktion des Unterstützungsvolumen bei zu geringer Leistung von Anlagen nicht ganz korrekt. Es reduziert sich in diesem Fall zwar das Gesamtvolumen, das die OeMAG (Ökostromabwicklungsstelle) für die Bezahlung der eingespeisten Strommenge benötigt, für den einzelnen Anlagenbetreiber ändert sich dadurch aber nichts: Er erhält die Beträge entsprechend der für die jeweilige Stromart vorgesehenen Einspeisetarife.
 

Volllaststunden als „Messlatte“

Die Volllaststunden, die im neuen Ökostromgesetz niedergeschrieben sind, dienen daher weniger der Beurteilung der Wirtschaftlichkeit, sondern hauptsächlich der Steuerung der Ökostromkontingente und der Vergleichbarkeit von Anlagen. Nachdem diese aber aufgrund der verwendeten Technik höchst unterschiedlich sind und verschiedene Spezifikationen aufweisen, sind diese Vergleiche sehr schwierig. Trotzdem sind die Volllaststunden so etwas wie eine „Messlatte“ für  die „grünen“ Strom­anlagen: Anlagen, die über den offiziellen Werten liegen, werden zumindest inoffiziell als gut eingestuft, jene darunter als eher schlecht. In diesem Licht relativieren sich Zahlen, mit denen manche Ökostromproduzenten hausieren gehen: So mögen mehr als 1.800 Volllaststunden für ein Windrad im internationalen Vergleich ganz passabel sein – in Österreich liegt dieser Wert aber deutlich unter jenen 2.150 Stunden, die eine Windmühle laut von der E-Control erhobener Daten durchschnittlich mit Volllast läuft. Dabei sind die besten Standorte in Ostösterreich zu finden: In Niederösterreich und im Burgenland sind nicht weniger als 83 Prozent der geförderten Windanlagen installiert, die in idealen Lagen Volllaststunden weit über der ominösen 2.150 Stunden-Marke erreichen.
 

Ausbau wirtschaftlich sinnvoll?

In diesem Licht hinterfragen Kritiker auch den geplanten Ausbau der Windparks in Schenkenfelden und Vorderweißenbach. Während für Schenkenfelden keine entsprechenden Zahlen vorliegen, bringen es die Windräder im Sternwald laut Informationen der Betreiber auf rund 1.880 Volllaststunden im Jahr. Damit liegt man 270 Stunden unter dem österreichischen Durchschnittswert und deutlich unter der Leistung der Windparks im Osten des Bundesgebietes. Trotzdem sollen zu den sieben bestehenden Anlagen drei weitere, bis zu 140 Meter hohe Windmühlen, kommen. Diese sollen in Richtung Schönegg bzw. unmittelbar an der tschechischen Grenze errichtet werden. Ob das tatsächlich so passieren wird, liegt in erster Instanz bei der Marktgemeinde, wo man die entsprechenden Grund- und Waldflächen umwidmen muss. 
Dabei gibt es gemischte Gefühle: Einerseits hält sich der wirtschaftliche Nutzen aus dem Windpark für die Kommune äußerst in Grenzen, andererseits ist offenbar auch das Interesse in der Bevölkerung an diesem durchaus überschaubar: Zu einer Infoveranstaltung über den Ausbau des Windparks kamen nur wenige Besucher.