Salzburger Festspiele: Wo selbst „Rossknödel“ zum Kulturgut werden...

Normalerweise vertragen sich jene Knödel, die Pferde von Zeit zu Zeit verlieren, und die feine Hochkultur nur mäßig. Anders in Salzburg: Dort werden – wie das GUUTE-Journal bei einem Lokalaugenschein erleben durfte – zu sommerlichen Festspielzeiten sogar die „Rossknödel“ zum Kulturgut...

Wahrscheinlich liegt es an der Tradition des Salzburger Festspielbezirkes bzw. der Hofstallgasse, dass Pferde dort Sonderrechte genießen. Wie sonst wäre das einzigartige Schauspiel zu erklären, das vor den Aufführungen in den Festspielhäusern über die Bühne geht: Während Betuchte ihren Reichtum mit allerlei edlem automobilen Blech zur Schau stellen, verdienen sich die städtischen Fiaker mit zahlenden Touristen unbeirrt ihr Geld. Dabei führt ihre Tour mitten durch die Festspielgäste, deren teure Parfums in Verbindung mit den Ausdünstungen der Vierbeiner eine höchst interessante „Geruchskulisse“ ergeben. Noch spannender wird die Geschichte, wenn die eingangs erwähnten „Rossknödel“ ins Spiel kommen: Diese werden in Salzburg offenbar als traditionelles Kulturgut gesehen und nur halbherzig entsorgt. Damit ist eine besondere Mischung aus tierisch-erzbischöflich-royalen Duft sichergestellt, der von den Reichen und Schönen interessanterweise ohne Naserümpfen zur Kenntnis genommen wird...
Wer den Rossknödelslalom und das unvermeidliche Gedränge vor den Eingängen geschafft hat, wird in den Festspielhäusern mit Stil und dezenter Noblesse empfangen. Das stets freundliche Personal der Spielstätten hat es dabei nicht immer leicht: Einerseits fordert das höchst internationale Publikum jede Menge Fremdsprachenkenntnisse, andererseits glaubt so mancher, mit dem zweifellos geharnischten Eintrittspreis – die Tickets kosten bis zu 370 Euro – auch die Lizenz zum Motzen mitgekauft zu haben.

Kunstgenuss auf höchstem Niveau

Erst wenn im Saal die Lichter ausgehen und das Geschehen auf der Bühne das Kommando übernimmt, kehrt Ruhe ein. Diese hat nicht nur mit der an sich in einem Theater üblichen Disziplin, sondern vor allem mit dem Gebotenen auf der Bühne zu tun: Wie im konkreten Fall bei „Le Nozze di Figaro“ steht Salzburg für Kunstgenuss auf allerhöchstem Niveau. Jahr für Jahr bieten die Festspiele die besten verfügbaren Sänger, Musiker und Dirigenten auf, die brilliante Aufführungen garantieren. Der herausragende Anspruch in der absoluten „Champions-League“ der Kultur steht ebenso für  das Sommerfestival an der Salzach wie das einzigartige Flair der Mozartstadt. Wolfgang Amadeus himself hätte wohl seine helle Freude mit jener Begeisterung, mit der die Menschen selbst nach vier Stunden Oper nach Hause gehen. Und wenn der Heimweg in einem Taxi mit einem aus Afrika stammenden, farbigen Chaffeur in einem knarrenden „Schlitten“ aus Korea erfolgt, zeigt das etwas von jenem Geist, der Salzburg einzigartig macht: Weltoffenheit, geistige Weite und die völkerverbindende Sprache der Musik lassen  die Festspielstadt ein bisschen was vom Duft einer absoluten Weltmetropole atmen.